Pressemitteilung: Verzicht auf Musikunterricht gefährdet Menschen- und Persönlichkeitsbildung

  |  Bundesverband   Pressebericht 

Bundesverband Musikunterricht fordert ein umfassendes Bildungsangebot an Schulen und kritisiert Empfehlungen zur Konzentration auf sog. Kernfächer scharf

Die aktuellen Regelungen in Nordrhein-Westfalen zur Wiedereinführung des Präsenzunterrichts an Grundschulen seit dem 22. Februar 2021 sehen vor, dass „nach Möglichkeit der Unterricht in Deutsch, Mathematik sowie der Sachunterricht im Vordergrund stehen.“ Auch die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien weist darauf hin, dass sich der Präsenzunterricht im Primarbereich „zunächst auf die Vermittlung basaler Kompetenzen, Lesen, Schreiben, Rechnen sowie auf das soziale Lernen und Miteinander konzentrieren wird“. Die Rahmenbedingungen für Präsenzunterricht ermöglichen jedoch ausdrücklich den Regelunterricht in allen Fächern nach der jeweiligen Stundentafel. Selbstverständlich muss dies auch für den Musikunterricht gelten.

Beraten werden die Kultusminister auch von dem einflussreichen, an leitender Stelle tätigen Bildungsforscher Prof. Dr. Olaf Köller, der sich am 30.01.2021 in einem ZDF-Interview mit einer ähnlichen Äußerung hervortat: „Die Kompetenzen in Deutsch und Mathematik sind prägend und zentral für die berufliche Karriere. Und dann muss man in dieser besonderen Zeit auch mal die Kröte schlucken, dass man auf einzelne Fächer verzichtet.“ In einem Interview der „Welt“ vom 03.01.2021 hatte Köller diese Aussage bereits eindeutiger und radikaler vorgebracht: „Auf Fächer wie Musik, Religion oder Sachunterricht müsste man verzichten.“

Diese einseitige Auffassung von Bildung schadet unseren Kindern und Jugendlichen! Ausgerechnet ein renommierter Bildungswissenschaftler verkennt, dass laut OECD Lernkompass 2030 die „Forschung bis heute nichts [kennt], das die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern in vergleichbarer Weise oder Dimension fördert wie Musik- und Kunstunterricht. Die Beschäftigung mit den Künsten hilft Lernenden auch, Empathie zur Stärkung von emotionalem Engagement, von emotionaler Verpflichtung und Beharrlichkeit zu entwickeln.“ Darüber hinaus hat Musik einen Wert an sich. In unserer multikulturellen Gesellschaft ist Musikunterricht nicht nur bildungsrelevant, sondern gesellschaftstragend!

In diesem Sinne fordert der sich von den verunsichernden Äußerungen des Bildungsexperten Olaf Köller deutlich distanzierende Bundesverband Musikunterricht alle Schulen auf, im Sinne aller Schülerinnen und Schüler die vielfachen Möglichkeiten des Musik-unterrichts zu nutzen!

 

--------

Eine eingehende Auseinandersetzung mit der Thematik liefert der beigefügte Essay "Wie wir mit Musik lernen müssen, unsere Welt (wieder) zu verstehen!" (25.02.2021) von BMU-Präsident Jürgen Oberschmidt.