Ausfallender Musikunterricht gefährdet nachhaltig die Lehrer*innenbildung

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Appell des Arbeitskreises der Fachleiter*innen und Fachberater*innen des BMU an die Mitglieder der KMK

Der Bundesverband Musikunterricht (BMU) fordert, dass Musikunterricht an den allgemeinbildenden Schulen unter Berücksichtigung der Situation vor Ort und unter Einhaltung der entsprechenden Hygiene- und Abstandsregelungen erteilt werden darf!

 

Der Arbeitskreis der Fachleiter*innen und Fachberater*innen Musik des BMU hat in seiner Sitzung am 17. Juni 2020 einmütig die äußerst konstruktive Zu-sammenarbeit der Ministerien mit Fachberater*innen, den Studienseminaren, unterschiedlichen Ebenen der Schulaufsicht und dem Bundesverband Musikunterricht gelobt und dabei festgestellt, dass der Musikunterricht unter Berücksichtigung der jeweiligen Situation vor Ort in den meisten Bundesländern wieder erteilt wird. Die Mitglieder des Arbeitskreises haben aber auch zur Kenntnis nehmen müssen, dass in einigen Bundesländern der in der Stundentafel verbindlich festgelegte Fachunterricht Musik grundsätzlich untersagt wird.

 

Wer solch ein Pauschalverbot ausspricht, das sicherlich dem erhöhten Infektionsrisiko beim Singen geschuldet ist, verkennt die multiplen Zugänge des Musizierens, des Hörens, des kreativen Gestaltens und Reflektierens, und fällt damit in jenes 19. Jahrhundert zurück, in dem das heutige Schulfach Musik ganz auf das Singen reduziert wurde.

 

Die KMK hat in ihren Absprachen zu den Staatsexamina für einheitliche Regelungen gesorgt, die auch in dieser Zeit der Corona-Epidemie für vergleichbare Rahmenbedingungen für alle Lehramtsanwärter*innen einstehen. Bitte sorgen Sie nun auch dafür, dass sich einzelne Bundesländer mit ihrem Pauschalverbot des Musikunterrichts nicht gegen die Rahmungen der KMK sperren und sich an ihre verbindlichen Stundentafeln halten.

 

Das Aussetzen des Musikunterrichts führt nicht nur dazu, dass Kindern und Jugendlichen in dieser schwierigen und hoffentlich begrenzten Zeit der Zugang zu musikalischer Bildung verwehrt bleibt, sondern sorgt dafür, dass die Lehrer*innenbildung im Praxissemester ganz massiv gefährdet und eine Ausbildung im Referendariat unmöglich wird. Es geht hier nicht nur um einen partiell ausfallenden Musikunterricht für die Schülerinnen und Schüler; die hier fehlenden Zugänge zu den verschiedenen Unterrichtspraxen wirken sich auf das gesamte spätere Berufsleben der Lehramtsanwärter*innen aus.

Ohne Musikunterricht an den Schulen können die beratende Begleitung von Studierenden im Praxissemester und die Ausbildung im Referendariat nicht stattfinden und damit auch nicht zum Abschluss eines II. Staatsexamens führen!

Der Lehrer*innenmangel, der gerade im Grundschulbereich dafür sorgt, dass 70% des Unterrichts fachfremd oder gar nicht erteilt werden, ist ohnehin besorgniserregend. Bitte kommen Sie Ihrer Verantwortung nach, dass diese Situation nicht noch weiter verschärft wird.

 

Der BMU teilt mit seinen Mitgliedern die Sorge, dass Schule zu einem einseitigen Lernraum verkommt und dabei verkannt wird, dass sie gerade für Schüler*innen aus bildungsfernen und sozial schwachen Familien auch zu einem wichtigen Lebensraum geworden ist.

 

Bitte sorgen Sie dafür, dass in einer Zeit, in der viele Kinder und Jugendliche auf soziale Kontakte und auf einen Großteil ihrer Freizeitaktiven verzichten müssen, nicht auch noch der Zugang zu musikalischer Bildung verwehrt wird und ihnen die kreativen Räume ihres Musikunterrichts weggenommen werden!